Der lange Weg der Auster zu ihrer Perle

Kein funkelnder Edelstein hat die Menschheit seit Jahrtausenden so fasziniert und bezaubert wie die sanft schimmernde Perle. Sie ist ein vollendetes Juwel der Natur und benötig keine Veredelung. Eine Perle ist die schönsten Missbildungen auf Erden denn sie entstehen durch Abwehrreaktionen gegen den Fremdkörper.

Die Perlenzucht ist ein Geschäft das mit hohen Risiken verbunden ist, da es sich um ein Produkt handelt das im Wasser heranwächst und dessen Entwicklung man nicht beobachten kann.

Bei allen Perlenarten ist der Vorgang der Zucht im Wesentlichen gleich. Bevor der Farmer mit der eigentlichen Perlenzucht beginnen kann, müssen erst die Austern vorhanden sein. In der früheren Zeit der Zuchtperlenindustrie, wurden Austern einfach aus dem Meer gesammelt. Die Farmer der Tahiti- und Südseeperle blieben bei dieser Methode, und die modernen Chinesen und Japaner züchten die Austern, indem sie das Sperma und Eizellen von qualitativ hochwertigen Austern extrahiert, und dann die Eizellen mit dem Sperma befruchtet. So entsteht eine neue Generation von Austernlarven.

Die Larven treiben frei im Wasser in einem abgegrenzten Areal, bis sie einige Wochen alt sind. Dann setzen sie sich an den Kunststofflamellen fest, welche absichtlich von den Farmern zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wird. Nach wenigen Wochen entwickeln sich die Larven zu Baby-Austern. Gewöhnlich werden sie dann in eine separate „Kinderstube“ auf der Farm umgesiedelt. Bis eine Auster soweit gewachsen ist, dass sie reif für die erste Operation ist, dauert es knapp 3 Jahre.

Um eine Perle zu züchten, benötigt man die Kerne und Gewebeteilchen. Im Mississippi gibt es eine Flussmuschel, die ist sehr dick und aus deren Schale kann man 4-8mm grosse Kügelchen schleifen, welche als Kerne für die Zuchtperlenproduktion verwendet werden. Man hat gemerkt, dass die Austern diese Kerne sehr gut akzeptieren, andere Materialen wie Plastik oder Glas führen zu einer grossen Abstossungsrate. Es wird weiter ein Mantelepitel benötigt, d.h. es werden kleine Stücke Muschelfleisch aus Spenderaustern entnommen.

Wenn wir diese Muschelschale genau betrachten, dann sehen wir verschiedene schön gefärbte Zonen. Der Operateur wird Gewebe dort ausscheiden wo schönes Perlmutter darunter liegt, denn das Gewebestück wird als Basis verwendet um die schöne Qualität von Perlmutt zu erhalten. Es ist also das Kennzeichen eines guten Operateurs dass er die richtige Muschelart nimmt und an der richtigen Stelle das Gewebestück ausschneidet.

Zum guten Gelingen des weiteren Arbeitsprozesses ist eine sorgfältige Vorbereitung und Pflege ausschlaggebend. Austern werden zur Narkose in tieferes Wasser abgesenkt. Durch die Dunkelheit, die niedrigen Temperaturen und einem geringeren Gehalt an Sauerstoff und Plankton reduzieren sie ihre Aktivität und fallen in einen Dämmerschlaf. Die Austern sind jetzt zur Operation bereit, diese dauert nur wenige Sekunden.

Sorgfältig wird ein hölzerner Keil zwischen die Lippen der Schale gesetzt. Der grosse Moment ist nun gekommen - mit menschlicher Hilfe wird eine Perle gezeugt. Dies ist ein äußerst komplizierter Eingriff, der weltweit nur von wenigen Experten ausgeführt werden kann. Ein kleiner Schnitt wird gemacht und der Salzwasser Auster wird das Mantelgewebe und der Kern implantiert. Der Kern dient als Formgeber, um das sich die Perle entwickelt.

Die Austern werden in Netztaschen ins Meer gelassen und nachdem sie 30 Tage in der Lagune Zeit hatten sich an die Implantate zu gewöhnen oder sie abzustossen, werden sie zur Kontrolle wieder in die Farm gebracht. Hat eine Auster in dieser Zeit den Kern ausgestossen, findet man diesen in der Netztasche, und dies bedeutet das sichere Aus für die Auster. Wo die Tasche leer ist, hat die Auster den Kern akzeptiert und bereits begonnen Perlmutter zu produzieren.

Die verbleibenden Austern werden nun auf die nächsten Jahre in der Lagune vorbereitet und an Seile oder Drahtgitter gebunden. Es gibt auch Probleme während der Entwicklungszeit der Perlen. Eines der Hauptprobleme ist die Verschmutzung oder der Algenbefall der im Wasser hängenden und schwebenden Austern. Je reicher und gesünder ein Meer ist, desto schneller werden sie beispielsweise von Algen oder anderen Muscheln befallen.

Die Muscheln werden durchschnittlich alle 2 Monate von Parasiten und Meerespartikeln gereinigt. Dieser Vorgang muss äusserst schonend gemacht werden. Immer wieder wird geprüft, ob die Lebensbedingungen für die Muschel gut sind, ob Qualität und Temperatur des Wassers optimal sind. Die Zucht bleibt schwierig und vieles beruht auf Naturvorgängen, die sich der Kontrolle der Züchter entziehen. So entstehen immer wieder große Verluste durch Phänomene wie die Algenpest, durch Umweltverschmutzungen, durch Taifune und Erdbeben.

Nachdem die Perlen sich voll entwickeln durften, je nach Perlenart und Grösse 1-5 Jahre, ist es Zeit für die Ernte. Die Perlen werden anschliessend gewaschen, getrocknet und dann nach Qualität Lüster, Grösse, Form, Oberfläche und Farbe sortiert. Als nächstes werden die Perlen gebohrt und anschließend zu Strängen in 40 cm Länge zusammengestellt und auf einen Synthetikfaden aufgefädelt. Damit kommen die fertigen Stränge in den Verkauf.